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Präg / Herrenschwand |
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Erschienen in den Todtnauer Nachrichten
Ausgabe Nr. 11 vom 16. März 1984
Heute soll Ihnen nun, liebe Leser, in einem kurz gefaßten Überblick der Stadtteil Präg vorgestellt werden.
Die
ersten schriftlichen Aufzeichnungen über den Ort Präg finden sich im 14.Jahrhundert.
Damals stößt man auf den Namen Bregga, was, wie der Chronist schreibt, keltischen
Ursprungs ist und Bergbach - das Dorf am Bergbach - heißt. Es ist anzunehmen,
daß durch Ansiedlung einzelner landwirtschaftlicher Gehöfte der Ort entstanden
ist. Die Landwirtschaft hat auch immer in der Geschichte von Präg die dominierende
Rolle gespielt. Präg weist unter den Stadtteilen Todtnaus schon seine Besonderheiten
aus, gerade in geologischer Hinsicht. Hier schreibt der bekannte Geologe Dr.
Pfannenstiel an den Verfasser der Präger Ortschronik: „Es ist nun Präg, das
Juwel der Glaziallandschaft des Schwarzwaldes und vor allem gibt es sonst
keine Stelle im weiten Erdenrund, wo 7 Gletscher in einem Punkt zusammenlaufen.
Ich habe die große Literatur gründlich untersucht und nichts Analoges gefunden.“
Diesen Ereignissen aus der Vorgeschichte verdanken wir es, daß sich hier ein
einmalig schöner Gletscherkessel gebildet hat. Ein Übrigbleibsel des damaligen
Gletschers aus der Würmeiszeit, der eine Ausdehnung von 10 Quadratkilometer
hatte, sind heute noch die Präger-Seen, die ohne Zulauf je nach Wetterlage
kommen und gehen.
Mit
seinen 1363 ha ist Präg, mit dem Ortsteil Herrenschwand, flächenmäßig der
größte Stadtteil. Davon sind 762 ha Wald, der heute durch ein ausgedehntes
Waldwegenetz gut erschlossen ist. Nach dieser großen Waldfläche nehmen die
Almendweiden (Gemeinschaftsweiden im Gemeindebesitz) den zweiten Platz ein.
Sie ermöglichten es, daß in Präg fast in jedem Haus Landwirtschaft betrieben
wurde. Immer wurde diese Landwirtschaft jedoch im Nebenerwerb betrieben. Wie
sehr nun diese Landwirtschaft dem Wandel der Zeit unterworfen ist, zeigt sich
daran, daß es 1950 in Präg und Herrenschwand noch 70 Betriebe waren wo Vieh
gehalten wurde, heute sind es noch 31 Betriebe. Die Viehzahl betrug 1950 365
Stück, heute werden noch etwa 160 Stück Vieh gehalten. Ein Opfer der Zeit
wurde auch die Ziegenhaltung, die heute ganz verschwunden ist. 1950 gab es
in den Sommermonaten noch eine eigene Ziegenherde mit etwa 80 Stück. Auch
ein Betriebszweig der Landwirtschaft, der ganz ausgestorben ist, ist die Aufzucht
von Zugochsen, welche durch die Mechanisierung der Betriebe verdrängt wurden.
Die Jungviehweide Präger Böden wurde noch in den 50ger Jahren nur von einheimischem
Vieh besetzt. Die etwa 90 Stück Vieh große Herde bestand zum großen Teil aus
Jungochsen, die dann nach zweijähriger Weidezeit als Zugtiere verkauft wurden.
Als dann die Gemeinde 1956 eine Viehhütte mit Wirtschaftsbetrieb baute, glaubte
man die Viehaufzucht intensivieren zu können, jedoch weidet heute kein einheimisches
Vieh mehr dort. Um die Landschaft offen zu halten, mußte man andere Wege gehen
und so kam es, daß man heute eine schwarzbunte Herde sieht, Vieh aus dem Hegau.
Selbst die ortsnahen Kuhweiden erwiesen sich in den letzten Jahren nach immer
geringeren Kuhzahlen als zu groß, so daß man an eine Unterteilung ging und
noch eine Jungviehweide mit Fremdvieh einrichtete. So sind es bis zu 150 Tiere
von auswärts, die in Präg jeden Sommer ihre Sommerfrische genießen. Noch in
seiner Selbständigkeit, anfang der 70iger Jahre, begannen Präg und Herrenschwand
mit der Flurbereinigung, welche Inzwischen erfolgreich abgeschlossen wurde.
Wohl sind die Wiesen dadurch nicht ebener geworden, aber für den Einzelnen
größer und damit besser zu bewirtschaften. Leider, und das muß auch gesagt
werden, hat diese Flurbereinigung keine Belebung der Landwirtschaft gebracht. Das hat natürlich jedoch andere Gründe, daß
die Landwirtschaft immer mehr rückläufig ist, diese aufzuzeigen würden den
Rahmen dieses Berichtes sprengen.
Nun,
wenn die Landwirtschaft nur im Nebenerwerb betrieben wird, muß man sich die
Frage stellen, von was leben die Präger eigentlich?
Präg weist keine Industrie aus. Geringe Ansätze waren einmal vorhanden,
sind heute aber verschwunden. Vor dem 2. Weltkrieg war es eine gewisse Heimindustrie,
die in vielen Häusern betrieben wurde und im Herstellen von Holzwaren, wie
Kochlöffeln und Kleiderbügeln, bestand. Zwar
ist Präg heute noch das klassische Dorf der Heimarbeit, die sich natürlich
in einer ganz anderen Form darstellt, Heimarbeit durch die Metallwerke Todtnau,
welche ein bedeutender Faktor auf dem Verdienstsektor ist. Die Industrie in
Todtnau und Schönau liefert natürlich auch für viele Präger die Arbeitsplätze;
nicht zuletzt auch der Wald mit seiner Holzhauerei. Zu all diesen Verdienstmöglichkeiten
hat sich seit den 50iger Jahren eine neue, nicht unbedeutende Verdienstquelle
im Fremdenbetrieb entwickelt. 1955 fing man an mit einem Ortsprospekt zu werben. Heute werden immerhin pro Jahr etwa 35.000
Übernachtungen gezählt Es ist besonders der Gast, der Ruhe und eine „intakte“
Landschaft sucht, welcher Präg als Urlaubsort auswählt. Hier findet er einen
Ort, der eigentlich keine bauliche Entwicklung, sprich Neubaugebiet, mitgemacht
hat, hier ist noch die größte Substanz alter, in ihrer äußeren Form erhaltener
Schwarzwaldhäuser vorhanden. Auch im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“
hat Präg einige Erfolge aufzuweisen. So gewann es im Jahre 1978 den Kreiswettbewerb
und bekam 1979 im Landeswettbewerb eine bronzene Medaille.
Hart
wurde die Gemeinde auch in den beiden Weltkriegen getroffen.
Aus dem 2. Weltkrieg sind 18 Söhne unserer Gemeinde nicht mehr heimgekehrt
und haben Trauer und Leid hinterlassen.
Präg entwickelte
auch schon immer eine rege Vereinstätigkeit.
Der Musikverein, der mit seinen 40 aktiven Mitgliedern auf einem Höhepunkt
steht, kann auf 75 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. In der Ski-Zunft,
die weit über den Ort hinaus bekannt ist, besitzt Präg einen sehr rührigen
Verein. Auch der Gesang wurde in einem Männerchor, wie in einem Gemischten
Chor, schon gepflegt, ist jedoch jeweils an der Dirigentenfrage wieder gescheitert.
Heute singen Präger Sänger im Kirchenchor in Geschwend mit. Mit der Narrenclique
ist nun ein neuer Kulturzweig aktiv geworden. Mit eigenen Masken und Häs sind
sie an Fastnacht 1984 erstmals aufgetreten.
Bei
dieser Darstellung der Gemeinde soll auch nicht vergessen werden, sich an
die großen Männer zu erinnern, die Präg hervorgebracht hat. Geistlicher Rat,
Pfarrer Adolf Böhler, ein Sohn unserer Gemeinde, der als Ehrenbürger hochbetagt
1973 gestorben ist. Er ist auch der Verfasser der Ortschronik. Aber auch in
Dr. Eduard Lais, dem ehemaligen Wirtschaftsminister des damaligen Landes Südbaden,
hat Präg eine bekannte Persönlichkeit. Auch die Verdienste, die sich der ehemalige
Bürgermeister Friedrich Dietsche aus Herrenschwand für die Gemeinde erworben
hat, wurden vom damaligen Gemeinderat durch die Verleihung der Ehrenbürgerrechte
anerkannt.
Leider
mußte Präg in jüngster Zeit, hervorgerufen durch die immer mehr sinkenden
Geburtenzahlen, seine Grundschule abgeben, ein Umstand, durch den auch ein
Stück Selbständigkeit verloren ging. Des einen Leid ist jedoch des andern
Freud. Jetzt wird das Schulgebäude in ein „Haus der Vereine“ umgebaut.
Jeder,
der den Talkessel von Präg kennt, weiß auch um den Kampf, den der Ort schon
viele Jahre um einen besseren Fernsehempfang führt.
Nun ist der Erfolg sichtbar, indem das Kabelfernsehen in Präg Wirklichkeit
wird.
Diese
Berichte der einzelnen Stadtteile werden geschrieben aus Anlaß der 10jährigen
Gemeindereform. Nun erwartet man natürlich ein Urteil des jeweiligen Ortsvorstehers
über die Vergangenheit, sowie was er sich für die Zukunft wünscht. Sicher
war es schmerzlich, sich mit der Tatsache abfinden zu müssen, die Selbständigkeit
zu verlieren. In der Eingemeindung war jedoch die Chance gegeben, schwerpunktmäßig
zu arbeiten. Ich glaube, daß diese Chance genutzt wurde, so daß viele Vorurteile
heute abgebaut sind. Für die Zukunft wünsche ich mir, daß es immer wieder
gelingen möge, Frauen und Männer zu finden, im Ortschaftsrat, im Gemeinderat
und in der Verwaltung, die gewillt und fähig sind, miteinander und füreinander
unseren Lebensraum so zu gestalten, daß er auch für die Zukunft lebenswert
bleibt.