Muggenbrunn


Erschienen in den Todtnauer Nachrichten

Ausgabe Nr. 9 vom 02. März 1984

 

 

Die Ansätze zu einer Dorfbildung liegen etwa an der Wende des 12. zum 13. Jahrhunderts. Der Name Muggenbrunn bedeutet, das Dorf am „Brunnen des Mugge", der hier das erste Anwesen errichtete und an dem der älteste Weg zum Paßübergang Notschrei vorbeiführte.

Durch Schenkung zweier Edler im Jahre 1114 kamen die Gebiete des hinteren Wiesentals in den Besitz des Klosters St. Blasien. Die Ausbeutung der zahlreichen Silberbergwerke brachte dem Kloster Wohlstand und Reichtum. Muggenbrunn verdankt die Entstehung dem in Blüte stehenden Silberbergbau. Immer mehr Arbeitskräfte siedelten sich in dieser Zeit an.

Im 15. Jahrhundert sank der Wert des Silbers immer mehr, und der Abbau von Silbererz wurde schließlich eingestellt.

Im pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 - 1697) hatte auch Muggenbrunn vieles zu leiden.  Eine Verteidigungslinie wurde von Todtnauberg über Muggenbrunn bis nach Zell mit Schanzen, Verhauen und Wachthäusern errichtet. Aus dieser Zeit stammen die heute noch vorhandenen Überreste von Schanzen und Wallgraben, worauf die Flurnamen „Auf der Schanz" und „Franzosenberg" heute noch hinweisen.

Im Jahre 1689 wurde der größte Teil der einfach gebauten Holzhäuser ein Raub der Flammen. In der Folge wurde das Dorf auch von Überschwemmungen und Hungersnöten heimgesucht. Der Holzreichtum und der Erfindergeist der Bewohner schafften wieder neue Möglichkeiten, um die Armut und die Not der Bevölkerung zu mildern.  Die Anfertigung von Bürsten in der Heimindustrie verbreitete sich immer mehr und als Hausierer von Bürstenwaren zogen manche Dorfbewohner in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich umher. In dieser Zeit (1810) erreichte das Dorf die Höchstzahl von 350 Einwohnern.

Eine Existenzsicherung war in dieser Zeit in Muggenbrunn nicht gegeben.  Es konnten sich, trotz kleinen Anfängen, keine Handwerker oder Gewerbebetriebe entwickeln.

Die Jahrhundertwende kann man als Anfang des Fremdenverkehrs betrachten. Am 27. Januar 1900 wurde nach einem Brand das Gasthaus „Grüner Baum“ neu aufgebaut und bot den ersten Gästen Aufenthalt in der würzigen Schwarzwaldluft. Bereits vor dem 1. Weltkrieg unternahm ein Verkehrs- und Verschönerungsverein Anstrengungen, das Dorf für den Fremdenverkehr zu erschließen. Vor dem 2. Weltkrieg wurden schon in Privatzimmern Gäste untergebracht und dadurch der Fremdenverkehr weiter ausgebaut. Dieser Ausbau von Fremdenzimmern kam während und nach dem Krieg den Flüchtlingen zugute.

Der Aufschwung im Fremdenverkehr begann dann in den 50ger Jahren.  Die Hotels und Gaststätten wurden der Zeit entsprechend hergerichtet und die Privathäuser bekamen durch die Zimmervermietung das notwendige Geld, um ihre Häuser für den Fremdenverkehr einzurichten.  Diesen großen Aufschwung verdanken wir hauptsächlich dem damaligen Verkehrsverein, welcher bewirkte, daß Muggenbrunn als Fremdenverkehrsort von Touropa aufgenommen wurde.

 

Diese Jahre brachten auch die wirtschaftliche Wende in Muggenbrunn. Die Gemeinde konnte die Ortsstraßen ausbauen, eine neue Schule wurde gebaut, Rathaus-, Post-, Feuerwehr- und Kurverwaltungs-Gebäude wurden neu errichtet oder ausgebaut, die zentrale Wasser- und Abwasserversorgung sichergestellt. Daß dies alles durchgeführt werden konnte, verdanken wir unter anderem auch unserem Wald, durch den wir gerade in dieser Zeit gute Einnahmen hatten.

 

1953 erhielt Muggenbrunn eine neue wundervoll ins Landschaftsbild passende Kirche, welche die alte, um die Jahrhundertwende erbaute Kapelle, ersetzte. Der Bau dieser Kirche wurde durchgeführt durch den damaligen Herrn Kaplan Vinnenkööter, welcher als Dank für seine Gesundung im Schwarzwald diese Kirche errichtete.

 

 

Die Fremdenverkehrs-Wintersaison hat durch den Bau des Skiliftzentrums Muggenbrunn viel an Attraktivität gewonnen.  Hier darf auch angeführt werden, daß der Franzosenberglift als zweiter Skilift im Schwarzwald 1953 erbaut wurde.

 

Heute können wir davon ausgehen, daß die Zukunft von Muggenbrunn der Fremdenverkehr ist. Daß dies auch vom Gemeinderat, Bürgermeister und der Verwaltung der Stadt mitgetragen wird, zeigen der geplante Bau eines „Haus des Gastes“ in Muggenbrunn und die Beantragung für das Prädikat „Höhenluftkurort Muggenbrunn". Es bleibt zu wünschen, daß auch in der Zukunft die neuen Bürgermeister, Gemeinderäte usw. den gleichen Gleichheitsgedanken für die Großgemeinde Todtnau haben, damit jeder Bürger auch das Gefühl hat, ein Bürger der Stadt Todtnau zu sein.  Bei diesem Gedanken muß man unwillkürlich auch an die Vereine denken. Vergessen wir nicht, nach dem von Verwaltungs-Schulreform hinterlassenen Kahlschlag in den Dörfern sind die Vereine "der neue Kitt dörflichen Zusammenhalts'. Es ist zu wünschen, daß die 5 Vereine in Muggenbrunn uns erhalten bleiben und damit helfen, die Dorfgemeinschaft weiterleben zu lassen.

 

Werner Zeiher, Ortsvorsteher

 

Muggenbrunn um 1900 - ein historischer Stadtrundgang