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Todtnauberg |
Erschienen in den Todtnauer Nachrichten
Ausgabe Nr. 15 vom 13. April 1984
Als letzter der Ortsteile der Stadt Todtnau soll nun Todtnauberg vorgestellt werden, das bis zum Jahre 1974 selbständige Gemeinde war und im Zuge der Gemeindereform mit seiner Eingemeindung seine Selbständigkeit aufgeben mußte.
Ein
Blick in die Geschichte des Dorfes Todtnauberg wird im folgenden verdeutlichen,
wie Todtnauberg zu dem geworden ist, was es heute als politische Gemeinde
und Höhenluftkurort innerhalb der Stadt Todtnau darstellt.
Mit Hilfe einiger
Dokumente kann man feststellen, daß bereits im 12.
Jahrhundert sich auf dem Gebiet des heutigen Todtnauberg eine kleine
Ansammlung von Bauernhöfen befunden hat, die allerdings noch nicht den Namen
Todtnauberg trugen. Während in der
sogenannten Kaiserurkunde aus dem Jahre 1025 Todtnau erstmals unter der Bezeichnung
„Totenouwa“ erwähnt wird, ist in einer Urkunde aus dem Jahre 1283 erstmals
von einem Konrad „dem Vogt auf dem Berge“ die Rede, der die Aufsicht über
sämtliche Bergwerke im Todtnauer Revier hatte, was die Vermutung zuläßt, daß
Todtnauberg als Ansiedlung damals schon Bestand hatte.
In dieser Zeit
hatte der Bergbau in Todtnau und Umgebung seine Blütezeit und brachte den
Bewohnern genügend Arbeit und Brot. Auch andere Handwerksgewerbe, wie z.B.
die Holzschnäfler, die Handweber, die Köhler oder die Strohflechter waren
in Todtnauberg ansässig. Die Landwirtschaft
aber blieb neben dem Bergbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen des Ortes.
Mit dem Ende des Bergbaus zum Ausgang des 15. Jahrhundert verloren
aber viele Einwohner ihr Auskommen und wanderten in andere Bergbaugebiete
ab. Damals lebten in Todtnauberg ca.
10 Familien mit etwa 50 – 60 Personen und erst ca. 200 Jahre später wuchs
die Bevölkerungszahl wieder auf 80 Familien mit etwa 500 Personen an.
Im Jahre 1834 erreichte die Einwohnerzahl von Todtnauberg ihren Höchststand
mit 955 Einwohnern. In diese Zeit
fällt auch die Blüte des Bürstengewerbes, die bis ca. 1930 dauerte und nach
Ende des 2. Weltkrieges in Todtnauberg ihr endgültiges
Mit
der Gründung des Skiclubs im Jahre 1906 erhielt der Fremdenverkehr in Todtnauberg
weiteren Auftrieb, da man nun begann, sich auch als Wintersportort einen Namen
zu machen. 1934 trat man dem Landesverkehrsverband Baden bei. Ein Weiteres zur Entwicklung des Fremdenverkehrs
trug der Bau des Schwimmbades im Jahre 1935 bei. So stiegen dann auch die Übernachtungszahlen
von 36.677 im Jahre 1937 auf 42.391 im Jahre 1939. Diese Entwicklung wurde dann duch den beginnenden 2. Weltkrieg leider
jäh gestoppt.
Als
sich nach Beendigung des Krieges die Dinge wieder normalisierten, setzte auch
der Fremdenverkehr wieder ein und eine kontinuierliche Steigerung der Übernachtungszahlen
von 16.352 im Jahre 1950 auf 184.250 im Jahre 1965.
Durch diese immensen Zuwachsraten bei den Übernachtungszahlen sah sich
die Gemeinde Todtnauberg, unter der Führung von Bürgermeister Rudolf Schubnell,
zu umsichtigem und vor allem zukunftsorientiertem Planen und Handeln gezwungen.
Das dringlichste Projekt der nahen Zukunft war die Gewährleistung der
Wasserversorgung, denn bereits 1885 wurde die Gemeinde in einer amtlichen
Verfügung aufgefordert, die allgemeine Wasserversorgung sicherzustellen. Durch
die schwierige Finanzlage des Ortes und durch den dazwischenliegenden Krieg
war dies aber nicht möglich gewesen. Im Jahre 1957 konnte nach einem Bürgerentscheid
endlich mit dem Bau einer zentralen Wasserversorgung begonnen werden.
Der
Auch
andere Baumaßnahmen waren zur Weiterentwicklung des Dorfes notwendig. 1952
wurde der damalige Dreikönigsaal gebaut, der für größere Veranstaltungen gedacht
war und etwa 250 Personen Platz bot. Ebenfalls in diesen Jahren wurde das
Rathaus auf einen neuen Stand gebracht und die Räumlichkeiten für die Kurverwaltung
mit eingebaut. Mit dem Neubau der
Poststelle wurden auch in diesem Bereich in Todtnauberg normale Verhältnisse
geschaffen. Als nächstes mußte das 1914 erstellte Schulhaus
für 600.000,-- DM renoviert werden. Bald
darauf stellte man fest, daß die Kirche aus allen Nähten platzte und daß das
1794 erstellte Gebäude auch nicht mehr den baulichen Erfordernissen der Zeit
entsprach. Als mit der Auflösung des
Klosters St. Blasien der Staat die Zuständigkeit für unsere Kirche auch im
Falle eines Neubaus übernommen hatte, waren die Grundvoraussetzungen für einen
völligen Neubau gegeben. Obwohl Staat und Ordinariat sowie die Pfarrgemeinde
den Löwenanteil des finanziellen Aufwands sicherten, mußte die Gemeinde doch
auch einen beträchtlichen Teil der Bausumme von 2 Mio. DM für Pfarrhaus und
Kirche beisteuern. Zu Beginn des Jahres
1960 wurde das Schwimmbad den modernen hygienischen Erfordernissen angepaßt
und mit einem Kostenaufwand von ca. 160.000,-- DM umgebaut. Wenn man berücksichtigt, daß es trotz dieser
enormen finanziellen Belastungen noch ein Straßennetz und Beleuchtungsnetz
zu unterhalten gab, spricht es für das Engagement und Pflichtbewußtsein der
Todtnauberger, daß es nicht unterlassen wurde, gleich nach Kriegsende mit
dem Bau einer Gedächtniskapelle zu beginnen, mit der den Schrecken des Krieges,
der Gefallenen und Vermißten gedacht werden sollte. Der Betrag von 35.000,-- DM für die Renovierung der Kapelle im Jahre
1981 setze sich aus Spenden der hiesigen Bevölkerung und der Zweitwohnungsbesitzer
zusammen. Die 70iger Jahre waren wohl
die Bedeutesten für die Entwicklung von Todtnauberg bisher.
Im Frühjahr 1972 wurde mit dem Bau des dringend erforderlichen Kurhauses
begonnen. Viel Planung und praktische Vorbereitung war für den Gemeinderat
notwendig, bis dieses Vorhaben letztlich in die Tat umgesetzt werden konnte.
Im Juni 1974 konnte das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden
und dient seither dem Kurbetrieb nicht nur In Todtnauberg selbst, sondern
dem gesamten Todtnauer Ferienland. Trotz aller Kritik in der Vergangenheit dürfte
wohl in der Zwischenzeit wohl jedem klar sein, daß dieses Kurhaus notwendig
war und auch am richtigen Platz steht
Unerläßlich
für den Bestand von Todtnauberg ist ein funktionierendes und intaktes Vereinsleben. Im Moment sind es neun aktive Vereine, die
das kulturelle und sportliche Leben des Ortes mitgestalten. Kulturell sind es: die Trachtenkapelle, die
Trachtengruppe, Kirchenchor und Männerchor sowie die Beeriwieber; sportlich
sind es, der Skiclub und der Tennisclub.
Die Feuerwehr und die Bergwacht sind Vereine, die in der Hilfe für
den Mitmenschen ihre Aufgabe sehen. So trägt jeder Verein zum aktiven Zusammenleben
in Todtnauberg bei. Betrachtet man
die enormen Leistungen der kleinen Gemeinde Todtnauberg, so fragt man sich,
in wessen Händen letztlich die Initiative für all das Erreichte gelegen hat. Dies war Bürgermeister Rudolf Schubnell, ein
Mann mit politischem Gespür und Tatkraft der 28 Jahre lang von 1947 bis 1975
im Amt war und auch Ehrenbürger der Gemeinde ist.
Daß er zum Zeitpunkt der Eingemeindung sein Amt niederlegte, war nur
zu gut zu verstehen. Doch die Zeit
blieb auch „auf dem Berg" nicht stehen und Alle, die politische Verantwortung
zu tragen bereit waren, haben aus der damaligen Situation das Beste gemacht.
Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß es auch
gerade immer wieder Initiativen von Privatleuten waren, wie z.B. der Bau von
Hotels und Pensionen, des Tennisplatzes, der verschiedenen Skilifte und der
Minigolfplatzes, die die Entwicklung von Todtnauberg als Fremdenverkehrsort
immer wieder voran getrieben haben und auch hoffentlich weiter voran treiben
werden.
Was
in der Zukunft noch vor uns liegt, ist die Fertigstellung der Baugebiete,
der Ausbau des Straßennetzes sowie der Wasserversorgung.
Die mit Sicherheit größte Aufgabe in naher Zukunft wird die Durchführung
der Flurbereinigung sein, deren Beginn für 1985 geplant ist. Abschließend, bleibt noch festzustellen: Wenn
wir weiter nach dem Grundsatz verfahren, was wir in der Vergangenheit zu bewältigen
in der Lage waren, ist mit vollem Einsatz, Engagement und gutem Willen eines
jeden Einzelnen sicher auch in der Zukunft zu bewerkstelligen und wer die
"Berger" kennt, braucht in